Donnerstag 23 Januar, 2014

Review: August Osage County


AugustOsageCounty

Ein starbesetztes Familiendrama, wortgewaltig, emotional, mitreißend und mit wunderschönen Bildern.


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Oklahoma. Osage County. August. Brütende Hitze liegt über dem Land. In der schon durch die Temperatur unerträglichen Hitze mischt sich das hitzige Zusammentreffen einer Familie. Der Vater ist verschwunden, die Mutter scheint am Rande des Nervenzusammenbruchs deswegen, 2 Töchter eilen an ihre Seite. Bald schon die traurige Gewissheit: Der Vater ist tot. Das Begräbnis steht an. Die dritte Tochter reist an.

Was ruhig und mit dem wunderschönen Zitat von T.S. Eliot „Life is very long“ beginnt, das Sam Shephard alias Beverly Weston, dem dreifache Familienvater, dem Zuschauer mit einem leicht verschmitzten Lächeln wiedergibt, wird rasch aus der vermeintlichen Idylle gerissen. Violet (Meryl Streep), seine Frau, krank an Mundkrebs und Tablettensucht, kettenrauchend, erscheint wie einst Virginia Wolf in der Szenerie. Schnell wird klar. Sie ist böse, verbittert, drogensüchtig und unerträglich. Dass ihr Mann dem Alkohol zuspricht, scheint verständlich.
Und als Beverly verschwindet, eilen allen voran zuerst Violets Schwester Mattie Faye (Margo Martindale) samt Ehemann Charles (Chris Cooper), dann die beiden Töchter Ivy (Julianne Nicholson) und Barbara (Julia Roberts), die älteste der Schwestern, samt Ehemann und Tochter an die Seite der harten Mutter – und das Familiendrama nimmt seinen Lauf.

Schnell stellt sich heraus, dass der Vater wohl Selbstmord begangen hat, zum Begräbnis ist nun die ganze Familie anwesend. Die jüngste Schwester Karen (Juliette Lewis) reist als letzte mit ihrem Verlobten Steven (Dermot Mulroney) an, einem Sportwagen-fahrenden, älteren, leidlich schmierigen Kerl. Zu guter Letzt gesellt sich verspätet noch Neffe „little Charles“ (Benedict Cumberbatch) zum Höhepunkt, dem Leichenschmaus, zu der Familienrunde.

Das schon gespannte Verhältnis der Kinder zur Mutter eskaliert. Streit und Vorwürfe, bittere Geheimnisse, die preisgegeben werden, Zynismus und Boshaftigkeit enden in einem heftigen Handgemenge.
Nicht genug der Eskalation, begeht Steven darüber hinaus einen unverzeihlichen Fehler, und Mattie gibt ein wohlbehütetes Geheimnis preis. Damit bricht auch das letzte schwache Kartenhaus zusammen.

Als Zuschauer wünscht man sich so sehr ein Happy End. Für zumindest einen der Protagonisten. Die Darsteller rutschen von einer Verzweiflung in die nächste, scheinen aus dem Teufelskreis nicht mehr hinaus zu kommen.
Man hasst Violet, die Meryl Streep großartig und Streep-like ihre Boshaftigkeiten versprühen lässt – und hat doch auch irgendwie Mitleid mit der Frau, deren Mundkrebs irgendwie passend zu ihrer bösen Zunge ist.
Barbara, so bodenständig und realistisch, hat ebenso ihre Bürde zu tragen – Julia Roberts kommt in Höchstform auf den Screen zurück und liefert sich mit Meryl Streep Schlagabtausche, die den beiden Leinwandgrößen alle Ehre erweisen. Dabei nimmt Roberts der großartigen Ikone Streep schauspielerisch schon fast den Wind aus den Segeln.
Karen, flapsig, jung, scheinbar naiv, lässt den Zuschauer vor ihrer überstürzten Abreise noch einen Blick in ihre verwundete Seele werfen. Juliette Lewis überzeugt in der Rolle der jüngsten Schwester, die man nicht wirklich ernst nehmen möchte.
Julianne Nicholson als Ivy brilliert als zartbesaitete, gute Seele, hin und her gerissen zwischen den Pflichten, ihrer Mutter zur Seite zu stehen und ihrer verbotenen Liebe, mit der sie ein neues, eigenes Leben plant.

Die Männerriege bleibt hinter den starken Frauen etwas im Schatten.
Man verzeiht dem alkoholkranken Beverly, dass er diese große Tragödie auslöst, denn obwohl man Sam Shepard nur in den Anfangssequenzen sieht, ist der Schatten des Vaters allgegenwärtig, wenn auch eher unbeachtet ob der Wortsalven zwischen Mutter und deren Töchter.
Charles ist als zweiter männlicher Part am längsten mit in dem tragischen Schauspiel. Chris Cooper lässt den Charakter wachsen und sein Gebet zum Leichenschmaus bietet die wenigen Situationen, in denen man als Zuseher auch mal lächeln kann.
Benedict Cumberbatch’s Rolle als „little“ Charles, Charles Sohn, ist eher klein gehalten. Man nimmt ihm die Unsicherheit und Tollpatschigkeit durchaus ab, seine Unbeholfenheit ist fast schon rührend, Benedicts Gesangseinlage sicher ein Highlight für alle Fans. Dennoch schleicht sich im Hinterkopf immer wieder mal das Bild des allwissenden Consulting Detectives ein, den er einfach überzeugender spielt.
Ewan McGregor ist eher farblos als Barbaras Ehemann Bill. Er hält sich im Hintergrund, passend zu der Situation der beiden Eheleute.
Der reiche und coole Steven wird gut von Dermot Mulroney dargestellt, auch wenn die Rolle des smart erscheinen wollenden aber als schmieriger Typ zurückbleibenden Verlobten durchaus mehr Facetten hätte zeigen können.

Ein Film, großartig starbesetzt, der den Zuschauer nachdenklich zurücklässt. 2 Stunden eingetaucht in eine zerrissene Familie, die mit so vielen unterschiedlichen Problemen zu kämpfen hat und deren Mitglieder sich ihren Schattenseiten stellen müssen. Und dem Zuschauer kein Happy End bieten.

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