Montag 07 April, 2014

Wir trafen David Tyler, Produzent von Cabin Pressure


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Wir baten den Ausnahme-Produzenten der Erfolgscomedy Cabin Pressure zum Interview und erfuhren Spannendes und Interessantes über seinen Job.


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Am 23. Februar 2012 hob die MJN Airline zu ihrer letzten Destination ab. Mit „Zürich“ endete Cabin Pressure, eine der erfolgreichsten und weltweit beachteten britischen Comedy-Serien.

John Finnemore, Autor und Kreativkopf der Serie, fand mit David Tyler den kongenialen Partner als Produzenten. Wir trafen den amüsanten Ausnahme-Produzenten zu einem ganz persönlichen Interview und erfuhren Lustiges und Spannendes rund um Cabin Pressure, aber auch viele andere interessante Backgroundinformationen.

Davids Weg zum Produzenten führten ihn über ein völlig unerwartetes Studium. „An der Universität habe ich Physik, also Quantenphysik, subatomare Physik, studiert“ erzählt er uns, “aber ich habe während dieser Zeit auch geschrieben und trat in verschiedenen Shows auf”.

Nachdem er bereits bei der BBC als Radio Producer tätig war, traf er auf Geoff Posner, zu dieser Zeit bereits ebenfalls erfolgreicher Produzent – und die beiden engagierten Produzenten gründeten ihre eigene, unabhängige Produktionsfirma namens Pozzitive Productions, „… wobei sich der Name der Firma von seinem [Geoff Posner] Spitznamen “Pozzi” ableitet“.

Es ist die Vielfältigkeit des Jobs, die David nunmehr seit Jahren besonders an seiner Arbeit gefällt. „(…) es ist eine volle Mischung aus verschiedensten Arbeiten, und dass ist das beste daran” schwärmt er. “Ich mag jeden Teil der Arbeit, was toll ist, aber es ändert sich laufend.” 10 bis 15 Skripts landen pro Woche auf seinem Schreibtisch, wenige davon schaffen es, produziert zu werden, von einem Durchbruch wie Cabin Pressure ganz zu schweigen.

Wie er und John sich kennenlernten, möchten wir wissen. Und David erzählt lachend: „Ich habe ihn getroffen, als er zu einem Recording oder etwas anderem von mir kam. (…) Danach unterhielten wir uns, und er sagte gerade heraus “Oh, ich bin Schriftsteller!” … und ich tat, das was ich in diesen Situationen immer mache, und antwortete “Das ist schön!”.”

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Wie erwartet, erhielt er kurz darauf ein Skript von John. Und wusste sofort, es war brillant. “..und ich las es sofort und wusste sofort, dass es großartig ist. Daraufhin rief ich {John} an und sagte “Yeah, lass es uns versuchen und durchziehen!”.

Cabin Pressure war damit startklar. Auf dem Weg dahin hatten die Beiden allerdings noch einige Hürden zu nehmen. So musste das Skript zu allererst an die BBC „verkauft“ werden – ein Unterfangen, dass angesichts des enormen Erfolges der Serie scheinbar ein leichtes Spiel hätte sein sollen – jedoch: “Wir haben an dem Skript noch etwas gearbeitet und reichten es dann ganz aufgeregt ein, und die Chefredakteurin, Caroline Raphael, die unsere Arbeit immer unterstütze, eine sehr wichtige Führungskraft, sagte “Oh, das ist großartig, das ist ein super Skript!” und daraufhin ging ich zum Leiter von Radio 4, die Person, die entscheidet – und er sagte “Nein!”.

Eine ernüchternde Antwort. Doch das kreative Duo ließ sich davon nicht so einfach beirren. David tat, was er sonst eigentlich nie tat: In diesem Moment tat ich etwas, was ich sonst nie mache, da man in dieser Situation nicht wirklich jammern oder lamentieren kann, weil die nun mal mit der Leitung betraut sind, aber dieses mal (…) sagte ich zu ihm (…) Ich denke, dass ist die falsche Entscheidung (…)  Ich mache das wirklich nicht sehr oft, vielleicht einmal in 5 oder 10 Jahren … Sie müssen Ihre Entscheidung wirklich nochmal überdenken – und es ist großartig, dass er es gemacht hat. Und dann haben sie es in Auftrag gegeben….”.

Cabin Pressure ging mit Abu Dhabi an den Start und entwickelte sich zur Mega-Erfolgsserie.

Wie das Casting zu Stande kommt interessiert uns natürlich besonders. David erklärt, dass es in Absprache mit John eine Shortlist gab, auch die eine oder andere Stimme, die John beim Schreiben bereits im Kopf hatte. David dazu weiters: “Wenn du die Hauptrollen in einer Sitcom castest, möchstest du Leute, die gut und bekannt sind, und bekannt, weil sie gut sind. (…) Dann schickten wir das Skript an die Agenten, und sie haben es gelesen und mochten es, so dass die Darsteller dann teilnehmen können – das ist das Hauptcasting.”

CabinPressure

Cabin Pressure überzeugt aber auch im Casting der vielen Gaststars, die wir hören durften. Hierzu erzählt uns David: “(…) Auch hier hat John den einen oder anderen Vorschlag und wir besprechen es. Ich gehe diese immer mit ihm durch. (…) Sehr oft sind es Leute, mit denen ich bereits gearbeitet habe, oder Leute, bei denen ich weiß, dass sie sehr gut sind, da ich andere Sachen von ihnen gesehen habe.”

Die Cabin Pressure-Crew war gefunden, die vielen Gaststar ergänzten die Flüge der Ausnahme-Airline perfekt.

Aber auch eine irrwitzige Comedy-Serie hat die Herausforderung des Recordings zu meistern. So gab es auch schwierige Momente, wie zum Beispiel bei Ottery St. Mary. „Eines der Dinge bei Ottery war, dass es so schwer und kompliziert war. Ben trat zu der Zeit in Frankenstein im West End auf und seine Stimme war angeschlagen. Und in der Nacht vor der Aufnahme (…) musste er absagen. Daraufhin engagierten wir einen anderen brillanten Schauspieler namens Tom Goodman-Hill (…). Und dann stellten wir, dass die meisten Martin-Szenen unabhängig von den Caroline und Herc-Szenen sind. Es ist fast wie zwei Teile, wenn man es genauer analysiert. Also kam uns der Gedanke, dass wir die Martin-Szenen noch einmal aufnehmen könnten mit Ben. Tom war klasse, es machte ihm nichts aus. Also machten wir Ottery noch einmal. (…) und mussten alle Teile passend machen und in 2 Recordings unterbringen. Zudem wurde auch in 2 verschiedenen Orten aufgenommen, so dass wir sehr viel Arbeit hatten, um alles passend zu machen. Ich denke, daher hänge ich besonders an dieser Episode, da es einfach so schwierig war, sie zusammen zu bekommen.”

Ottery ist eine seiner Lieblingsfolgen, so David, obwohl er das auch nicht so genau sagen kann. Denn auch die Gaststars wären alle großartig, schwer, einen Favoriten aus ihnen zu wählen. Paris, zum Beispiel, sei ebenso eine tolle Erfahrung gewesen: Ich mag Paris wirklich sehr, weil es das beste Taliskar-Rätsel ist (…) und ich es wirklich nicht herausbekam bis zum Ende, daher war es sehr gelungen.”.

Auf unsere Frage, ob eine Aufnahme besonders im Gedächtnis geblieben ist, sagt uns David „Da sind einige sehr großartige Momente, sehr viele gerade in meiner Erinnerung. Aber da war ein Moment, in dem das Publikum eine sehr gute Reaktion zeigte, in St. Petersberg glaube ich (…)”. Johns besondere Genialität sei, eine Idee zu Beginn fast schon nebenbei einzubauen – und am Ende entwickelt sich diese Idee zum Lacherlebnis. „Und als das Publikum dann dahinterkam, gab es diesen außergewöhnlichen Laut von sich (…) alle machten sowas wie “Haaaaaaaaaaaaaah!” – das war ein super Moment!“.

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Wir erfahren spannende Backgroundinformationen über Soundeffekte und Davids Mitarbeiterin Katie, die bei allen Recordings Versprecher notiert und re-takes anmerkt. Dabei dürften wir sogar ein Original-Cabin Pressure-Skript sehen, an Hand dessen, David uns Katies Arbeit erklärt und zeigt „(…) Ab und zu, wie zum Beispiel hier, ist ein „fluff“  (…) Sie merkt an, wo dieser passiert ist. Und das kleine Ding ist dann RS1, restart one. Ab und zu vermasseln sie es über mehrere Zeilen und das ist dann sehr lustig…Das ist Katie’s Arbeit und dann haben wir auch noch zwei Techniker (…)”

Ob er jemals diesen riesigen Erfolg von Cabin Pressure erwartet hätte, über 22.000 Ticketbewerbungen zur letzten Folge “Zürich” sagen alles, meint David bescheiden Nein, ich habe auch nicht wirklich darüber nachgedacht, da Radio 4 immer noch einer der britischen Geheimtipps ist. (…). Aber ja, es war sehr überraschend.”

Wir freuen uns auf weitere lustige Projekte, die David geheimnisvoll ankündigt und bedanken uns herzlich für dieses außergewöhnliche Interview!

Das gesamte Interview könnt ihr gerne nachlesen – viel Spaß!

Zur Person:
David Tyler wurde am 24 Juni 1961 geboren und ist einer der bekanntesten britischen TV und Radio Comedy Produzenten. 1992 gründete er gemeinsam mit Geoff Poser die unabhängige Produktionsfirma Pozzitive Productions.

Seit der Gründung von Pozzitive Televisions zeichnete sich David für zahlreiche britische Comedy-Sendungen verantwortlich und räumte mit seiner großartigen Arbeit zahlreiche Preise und Nominierungen ab.

So zählen zu seinen ausgezeichneten bzw. nominierten Shows unter anderem:

- die BBC Radio 2 Sitcom Three Fights, Two Weddings and a Funeral, BAFTA für “Best Comedy”,
   1994
- die BBC Radio 4 stand-up-comedy Show Jeremy Hardy Speaks to the Nation, als erste
   unabhängig produzierte Show für Radio 4 mit dem bronzenen Sony Award 1995 ausgezeichnet;
- Victoria Wood’s TV Sitcom dinnerladies - British Comedy Awards für “Best new comedy” in
   1999 und “Best comedy” in 2000;
- die besonders vom Benedict Cumberbatch-Fandom geliebte Radio 4 Sitcom Cabin Pressure,
   nominiert für den Writers’ Guild of Great Britain Award für “Best Radio Comedy/Light
   Entertainment”;
- die Radio 4 Sketch-Show Bigipedia, silberner Comedy.co.uk Award für “Best British Radio Sketch
   Show 2009″ sowie
Another Case of Milton Jones – Comedy.co.uk Award für “Best British Radio Sitcom 2010″.

David selbst wurde 2012 für den Radio-Production Award als “Best Entertainment Produzent” nominiert, ebenso Cabin Pressure für den BBC- Hörspiel-Award als “Best Scripted Comedy Drama“. Im gleichen Jahr gewann Another Case of Milton Jones den zweiten Platz bei den “Best Comedy at the Sony Radio Academy Awards”.

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