Donnerstag 09 Oktober, 2014

BFI Opening Gala: The Imitation Game (Review)


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The Imiation Game eröffnete erfolgreich und mit viel Lob das diesjährige London Film Festival


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Alan Turing. Ein Name, der in Deutschland eher weniger bekannt ist. Dennoch gehört er zu den wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte. Mit seiner Arbeit in Bletchley Park während und nach dem Zweiten Weltkrieg rettete er geschätzte 14 Millionen Leben und ohne ihn würden wir heute nicht mit Computern, Smartphones etc. leben.

Doch seine Geschichte ist keine Glückliche. Von Kindheit an war er anders und wurde bereits in seiner schulischen Ausbildung gehänselt und als Außenseiter betrachtet. Trotz seiner akademischen Erfolge und dem Durchbruch mit seiner Arbeit in Bletchley Park, holte ihn die Realität des Regimes der damaligen Zeit ein. 1952 wurde er wegen homosexuellen Handlungen strafrechtlich verfolgt. Um dem Gefängnis zu entgehen, akzeptierte er die chemische Kastration. Zudem wurde ihm die Weiterarbeit in Bletchley verboten. 2 Jahre später beging er Selbstmord.

Eine Geschichte, die nun endlich auch der breiten Masse ins Gedächtnis gerufen wird. The Imitation Game, der Eröffnungsfilm des London Film Festivals 2014, fokusiert sich auf Turnings Arbeit in Bletchley Park und dem Brechen des deutschen Enigma-Codes.

Mit einer Starbesetzung (Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goodge, Rory Kinnear u.v.a.m.) wird der Film bereits als Oscaranwärter gehandelt. Viele der Fans am Roten Teppich, die Wind und Regen trotzten, waren natürlich für den Star des Film, Benedict Cumberbatch, angereist…. und wurden belohnt. Benedict nahm sich reichlich Zeit, um Autogramme zu schreiben, Fotos zu machen und das ein oder andere Wörtchen zu wechseln. Auch Keira Knightley, Alan Leech, Mark Strong und Director Morten Tyldum schrieben fleißig Autogramme und gaben Interviews trotz eher widrigen Wetterverhältnissen.

Der Red Carpet kann auf YouTube (geolocked UK) noch einmal nachverfolgt werden:

Vor dem Start des Film wurden alle anwesenden Stars von Morten Tyldum unter tosendem Zuschauerapplaus auf die Bühne gebeten. Benedict, Turing-Darsteller und Star des Films, stellte diesen in einer kurzen Rede vor. Er hob dabei hervor, dass der Film die Verschiedenheit von Alan Turing zelebrieren soll; dass Turing half, unsere heutige Freiheit zu sichern während seine eigene sehr eingeschränkt war; und dass er (Benedict) stolz darauf sei, diese wichtige Geschichte für das breite Publikum zu erzählen.

 The Imitation Game BFI Gala

Der Film setzt in 1951 an, nachdem in Turing’s Appartment in Manchester eingebrochen, jedoch nichts entwendet wurde. Dem Polizeibeamten (Rory Kinnear) kommt dieser Einbruch seltsam vor – und er beginnt mit Nachforschungen… Dabei findet er keinerlei Militärakten oder -aufzeichnungen von Turing und fragt sich deshalb, was wirklich in der Radiofabrik vorging, in der Turing gearbeitet haben soll…
Hier fangen die drei Hauptstränge des Films an ineinander zu greifen: Turings Zeit in Bletchley, seine Schulzeit in Sherborne und sein Leben nach dem Knacken des Enigma-Codes. Der Zuschauer bekommt ein umfangreiches Bild von Turings Eigenheiten (intelligent, selbstüberzeugt, schwierig), seiner nicht einfachen Schulzeit und was sein einiziger Freund Christopher für ihn bedeutete. Seine Arbeit in Bletchley Park und vor allem die zunächst problematische Zusammenarbeit mit seinen Kollegen Hugh Alexander (Matthew Goode), John Cairncross (Allen Leech) und Peter Hilton (Matthew Beard) stehen im Mittelpunkt des Films. Auch Turings Beziehung zu Joan Clarke (Keira Knightley) und ihr Einfluss auf seine Arbeit kommen nicht zu kurz.

Benedict Cumberbatch überzeugt im Film mit einer beeindruckenden Charakterstudie eines Menschen, der vielfältiger nicht sein könnte – intelligent, reizbar, agressiv, emotional aber äußerst selbstsicher. Die Rolle von Joan Clarke ist perfekt auf Keira Knightley zugeschnitten. Charmant, clever und mit einem Lächeln stellt sie einen Gegenpart zu Cumberbatchs Turing dar. Ihre gemeinsamen Szenen sind dabei echte Glanzpunkte im Film.

Dennoch ist der Film nicht ohne Fehler. Das Skript stellt ein großes Problem dar: sehr effizient und formell gehalten, versucht es viel Information in kurzer Zeit zu vermitteln und vergisst dabei Momente in Turings Leben, die eventuell ausgiebiger hätten betrachtet werden könnten. Vor allem Turings Homosexualität wird sorgfältig umgangen oder relativ banal einbezogen; auf seine Gefühle und Beziehungen zu anderen Männer wird kaum eingegangen. Dabei hätten wir gerne gewusst, was in ihm vorging.

Auch wenn der Film und Alan Turings Leben ein eher trauriges Ende nehmen und einen bitteren Beigeschmack haben, hält der Film eine inspiriende Botschaft und die Tagline erfasst dieses in exzellenter Weise:

“Sometimes it is the people no one imagines anything of who do the things that no one can imagine”

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